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Ich, ein Gammler in den Parks

Schon meine Herkunft macht mich zu einem Gammler. Ich bin Dorfkind welches den Sommer über immer viel draußen war, erlebte meine Jugend als den Punkern naher Grufti viel beim Gammeln und lebe seit 25 Jahren nun schon in Berin und habe die hier ansässige Liebe zum Stadtpark sehr verinnerlicht. Aus dieser Mischung ist meine Haltung entstanden, welche Bewegung liebt und sich gegen aufgezwungenen Konsum und festgelegte Lebensorte stellt. Für mich bedeutet das Gammlen nicht Faulheit, sondern eine bewusste Art, in der Welt zu sein. Parks, Plätze und Straßen sind darin Orte, an denen ich mich frei fühle, ohne Eintritt, ohne Kaufzwang und ohne feste Rolle. Irgendwie ein Stückchen Waldgefühl in der Stadt. Dort kann ich einfach sitzen, schauen, denken, reden und atmen.

Ich mag es mit Menschen Gespräche unter freien Himmel zu führen und habe das Gefühl, diese sind oft ehrlicher als alles, was an gedeckten Tischen gesagt wird. Ich versuche unterwegs wenig Müll zu produzieren und alles liebevoll zu verpacken, weil darin für mich ein großer Respekt vor Dingen und Ressourcen steckt. Ich treffe gern Freunde draußen, sitze gern auf dem Boden, spüre meine Umgebung, den Wind, die Temperatur und das Wetter. Ich kann beim Spazierengehen besser denken und mich mit Menschen über schwierige Themen austauschen. Erst in Bewegung entstehen die Gedanken, die in geschlossenen Räumen oft keinen Platz finden. In den Momenten draußen spüre ich Freiheit, Leichtigkeit und die Möglichkeit, ungebunden zu leben … wenigstens für eine Weile.

Natürlich hat der Park als Treffpunkt auch seine Schattenseiten. Das Wetter kann hart sein, herumliegender Müll zerstört die Würde öffentlicher Orte, und die Gentrifizierung der Stadt nimmt vielen Menschen die Räume, in denen Begegnung ohne Konsum möglich ist.

Das Gammeln ist für mich ein Gegenentwurf zum starren Leben. es erinnert mich daran, dass Freiheit oft dort beginnt, wo man sich dem Zwang entzieht, ständig etwas besitzen, leisten oder darstellen zu müssen. Es fühlt sich gut an, mit wenig auszukommen und in Freundschaft und Natur einen eigenen Reichtum zu entdecken.

Junge Leute vor der Mocca Milch Eisbar, Berlin Ende 1960er - Kurt Schwarz, CC BY-NC-SA, Berlin Museum Digital
Nadine und ein Veganachronist am Nordhafen
Nachts unterwegs
Gammler schlafen im Park in Amsterdam - Rob Croes, 1971, CC0, via Wikimedia Commons
Die Freunde auf der Warschauer Straße
und am Tag unterwegs.